Lebenslauf, musikalisch und sonst so

Nach dem Krieg

…wurde Horst Jazzliebhaber. Er lebte zu dieser Zeit in Hattingen, und das Denken seiner Lehrer und Pfarrer war noch vom Faschismus geprägt. Aber dem jungen Horst erschienen Jazz und Blues als Symbole der Befreiung vom Nationalsozialismus. Er bekannte sich dazu und spielte schon früh autodidaktisch Schlagzeug und Klavier.
Als Jazzfan galt er in der öffentlichen Meinung nunmehr als asozial und deutscher Kulturschänder. Dass er da auf dem Hattinger Gymnasium scheitern musste und in die tolerantere Großstadt Essen übersiedelte, war die logische Folge. So bestimmten Anfeindungen, enttäuschte Lieben und Leistungsversagen seine Jugend.

Texte und Darbietung

In seinen Texten und Darbietung spiegeln sich Einflüsse von Howlin’ Wolf, John Lee Hooker, Tom Waits, Eric Burdon, Screamin’ Jay Hawkins und Robert Johnson. Auch deutsche Dichter standen Pate: Christian Morgenstern, Johann Wolfgang von Goethe, Peter Maiwald, Christine Nöstlinger und Ludwig Hirsch. Die Texte sind im hohem Maße authentisch, denn Howlin’ Horst widmet sich beruflich und privat seit über 40 Jahren der sozialproblematischen Kinder- und Jugendarbeit.

1980 entdeckt Howlin’ Horst die Bluesharp

Dieses handliche Instrument und der Blues wurden seine ständigen Begleiter.
Mit seinen Liedern begeisterte er Kinder, Jugendliche und Erwachsene und die Musik erleichterte ihm die sozialpädagogische Arbeit. Das Arbeitskonzept war die Folge seiner Kindheitserlebnisse,
die vom Krieg, den Folgen des Nazi-Regimes und der Nachkriegsgesellschaft geprägt wurden.

Heute singt Horst in dem Stück „Der Aufstand“:

Als ich heute aufstand und in den Spiegel schau herein,
sagt der Spiegel: „Du bist verbittert, alt und hässlich und ein armes Schwein.“
Doch später unter der kalten Brause kommt die Göttin der Weisheit nackt zu mir rein,
sagt: „Baby, lass das Meckern über die Gegenwart und das Jammern nach der Vergangenheit.“
Ich sag: „Ok Baby, ich zieh aus mein Trauerkleid, denn mit dem Blues fang ich alles auf.“

Kids in Trouble

Alle Einkünfte aus seiner künstlerischen Tätigkeit stellt Howlin’ Horst dem Projekt Kids in Trouble zur Verfügung.
Das Projekt wendet sich an Kinder und Jugendliche, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben.

Arbeit

Howlin’ Horst leitete ca. 25 Jahre das Aposteljugendhaus in Essen-Frohnhausen, ein Haus der Offenen Tür unter der Regie der evangelischen Kirche. Zu den bevorzugten sozialpädagogischen Methoden zählte in erster Linie die soziale Gruppenarbeit. Junkies, Rocker, psychisch kranke Kinder und Jugendliche gehörten zur Hauptzielgruppe.

Apohaus heute

Die Jugend konnte mitgestalten, mitverwalten, aber musste die Arbeit auch mitverantworten. So entstanden quasi demokratische Strukturen. Kreatives Handeln wurde gefördert, Musik, Tanz, künstlerisches Gestalten wurden großgeschrieben, fast jeden Tag eine Tanzveranstaltung, sprich Disco verschiedener Jugendkulturen. Multikulti war eine Selbstverständlichkeit, denn eine Vielfalt von Nationen ging dort ein und aus.

Problematisches Verhalten wurde nicht verdrängt, sondern aufgearbeitet. Man kann sich vorstellen, dass die Umgebung manchmal unter Lärm, Randale und Zerstörungen zu leiden hatte. Dieses wertvolle sozialpolitische Konzept wurde bis zu Horsts Pensionierung 1996 mit Hilfe einiger Pfarrer, Presbyter, hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeitern eisern durchgehalten.